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Artikel: Die Wilhelma in Stuttgart: Zoo, botanischer Garten und ein Stück Stadtgeschichte

Wilhelma in Stuttgart

Die Wilhelma in Stuttgart: Zoo, botanischer Garten und ein Stück Stadtgeschichte

Die Wilhelma gehört zu Stuttgart wie der Fernsehturm oder die Stäffele. Wer in der Stadt lebt, kommt immer wieder her – und entdeckt trotzdem jedes Mal etwas Neues. Auf rund 30 Hektar vereint der zoologisch-botanische Garten in Bad Cannstatt etwa 11.000 Tiere aus knapp 1.200 Arten mit über 8.500 Pflanzenarten und -sorten. Diese Kombination aus Zoo und botanischem Garten ist in Deutschland einmalig. Dazu kommt eine historische Parkanlage im maurischen Stil, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Ein Ausflug hierher lohnt sich zu jeder Jahreszeit – egal ob mit der Familie, zu zweit oder allein.

Von der königlichen Sommerresidenz zum zoologisch-botanischen Garten

Die Geschichte der Wilhelma beginnt 1837, als König Wilhelm I. von Württemberg den Architekten Karl Ludwig von Zanth mit der Planung einer privaten Sommerresidenz beauftragte. Im Park des Schlosses Rosenstein hatte man Mineralquellen entdeckt, und der König wünschte sich ein Badehaus – allerdings kein gewöhnliches. Zanth entwarf eine Anlage im maurischen Stil, inspiriert von der Alhambra in Granada. Ab 1842 entstand das erste Gebäude, das auf Anweisung des Königs den Namen „Wilhelma" erhielt.

In den folgenden Jahren wuchsen Pavillons, Wandelgänge, Gewächshäuser und ein Theater zu einem stattlichen Ensemble heran. Das Herzstück bildete der Maurische Garten mit seinen prunkvollen Arkaden und dem Seerosenteich. Nach dem Tod Wilhelms I. dauerte es noch bis 1880, ehe die Anlage überhaupt für die Öffentlichkeit zugänglich wurde – zunächst nur mit einer Berechtigungskarte, die nicht leicht zu bekommen war. Erst mit dem Ende der Monarchie 1918 öffnete sich der Park für alle Stuttgarter.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Wilhelma schwer beschädigt. Beim Wiederaufbau behielt man den exotischen Grundgedanken bei, ergänzte ihn aber um eine völlig neue Richtung: 1952 zogen mit der Ausstellung „Indische Dschungeltiere" erstmals Elefanten und Tiger auf das Gelände. In den Folgejahren kamen immer mehr Tierarten dazu. Aus dem reinen Pflanzengarten wurde schrittweise der zoologisch-botanische Garten, den wir heute kennen.

Was es in der Wilhelma zu sehen gibt

Tiere aus aller Welt
Die Wilhelma zählt zusammen mit dem Zoologischen Garten Berlin zu den artenreichsten Zoos in Deutschland. Die Bandbreite reicht von Menschenaffen über Großkatzen bis zu Pinguinen und Krokodilen.

Zu den Publikumsmagneten gehören die Gorillas und Bonobos im Menschenaffenhaus. Die Anlage für Menschenaffen zählt zu den bekanntesten Bereichen der Wilhelma und gibt Einblick in das Sozialverhalten unserer nächsten Verwandten.

Seit Juli 2023 beherbergt die Terra Australis elf Tierarten vom fünften Kontinent. Für das Haus wurde das ehemalige Menschenaffenhaus komplett entkernt und umgebaut. Im Zentrum stehen die Koalas – Queensland-Koalas, die direkt aus Australien geholt wurden. Die Quokkas, die ebenfalls hier leben, sind europaweit nur in Stuttgart zu sehen. Ein Teil des Hauses ist bewusst abgedunkelt und mit einer gedämpften Mondscheinbeleuchtung versehen, damit die nachtaktiven Bewohner gut zu beobachten sind.

Die neueste Attraktion ist die im Juli 2025 eröffnete Großanlage für Amurtiger. Auf rund 5.000 Quadratmetern erstreckt sich das Gelände über eine terrassierte Hanglage mit Höhlen, Verstecken, Bademöglichkeiten und einer Bepflanzung aus dem natürlichen Verbreitungsgebiet der Tiere. Ein Besuchertunnel ermöglicht ungewöhnlich nahe Blicke auf die beiden Tiger Amazar und Noïa. Der Amurtiger ist die größte Unterart des Tigers – in freier Wildbahn leben vermutlich nur noch rund 750 Exemplare.

Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte den Schaubauernhof nicht auslassen. Hier leben heimische Nutztierrassen wie Schwäbisch-Hällische Schweine und Hinterwälder Rinder – Tiere, die Stadtkinder sonst selten aus der Nähe sehen. Für die ganz Kleinen ist das Wimmelbuch „Die Wilhelma wimmelt" eine schöne Ergänzung zum Besuch. Die detailreichen Illustrationen zeigen viele der Tiere und Orte, die Kinder im Park wiederentdecken können.

Pflanzen und historische Gewächshäuser
Der botanische Teil der Wilhelma steht dem Zoo in nichts nach. In den historischen Gewächshäusern aus dem 19. Jahrhundert gedeihen Orchideen, Palmen, Kakteen, Farne und tropische Nutzpflanzen. Im Amazonienhaus wachsen Pflanzen des südamerikanischen Regenwaldes, begleitet von freifliegenden Vögeln und Schmetterlingen.

Ein Höhepunkt ist der Maurische Garten. Im großen Seerosenteich in der Mitte der Anlage wachsen rund 35 Arten und Sorten tropischer Seerosen, darunter Riesenseerosen, deren einzelne Blätter bis zu 70 Kilogramm tragen können. Um den Teich herum verbinden doppelarmige, mit Fliesensternen verzierte Wandelgänge die historischen Gebäude.

Der Magnolienhain im Maurischen Garten umfasst etwa 70 Bäume und gilt als der größte nördlich der Alpen. Die Blütezeit fällt in der Regel in den März. Wenn sich die Knospen an den alten Bäumen – einige stammen noch aus der Zeit König Wilhelms I. – gleichzeitig öffnen, verwandelt sich der Garten in ein dichtes Blütenmeer aus Rosa- und Weißtönen. Es ist einer dieser Momente, für die sich ein früher Besuch lohnt, bevor die Besuchermassen eintreffen.

Eine botanische Kuriosität findet sich ebenfalls im Maurischen Garten: die Wollemi-Kiefer, deren Spur sich etwa 90 Millionen Jahre zurückverfolgen lässt. Erst 1994 wurde sie in einem abgelegenen Tal Australiens wiederentdeckt.

Was Sie wissen sollten

Ein Wilhelma-Besuch dauert je nach Tempo drei bis fünf Stunden. Wer alles sehen will, sollte einen ganzen Tag einplanen. Vor allem an warmen Sommertagen ist es sinnvoll, ausreichend Getränke dabeizuhaben. Das Stuttgarter Trinkflaschen-Set passt gut in den Rucksack und lässt sich an den Trinkbrunnen im Park auffüllen.

Für eine Pause auf der Wiese zwischen den Gehegen ist eine kompakte Outdoor-Decke praktisch. Sie lässt sich klein zusammenfalten und nimmt im Rucksack kaum Platz weg. Im Park gibt es außerdem drei Restaurants mit Innen- und Außenbereich sowie mehrere Kioske.

Rundgang und Highlights je nach Jahreszeit

Im Frühjahr lockt die Magnolienblüte im März, und mit etwas Glück lassen sich die ersten Tierjungen der Saison beobachten. Im Sommer sind die Außenanlagen am lebendigsten – von den Flamingos in der Vogelwelt bis zu den Seelöwen. Der Herbst bringt eine besondere Stimmung in den historischen Park, wenn sich die alten Bäume verfärben. Im Winter lohnen sich die beheizten Gewächshäuser und Tierhäuser besonders: Das Amazonienhaus mit seinem tropischen Klima oder das Aquarium mit Korallenriffen und Krokodilen bieten dann eine willkommene Abwechslung zur Kälte draußen.

Ausblick: Die Wilhelma baut weiter

Die Wilhelma steckt mitten in einem Erneuerungsprozess. Neben der 2023 eröffneten Terra Australis und der neuen Tigeranlage von 2025 ist eine weitere Großbaustelle sichtbar: Die neue Elefantenwelt entsteht am Rand des Rosensteinparks. Auch für die Wombats aus der Terra Australis ist eine eigene Tasmanien-Anlage zwischen dem Australienhaus und dem Amazonienhaus geplant. Stuttgart bleibt also auch in den kommenden Jahren ein Ort, an dem sich ein Zweitbesuch lohnt.
Wir kommen immer wieder gern in die Wilhelma, besonders gern schauen wir bei den Pinguinen und Elefanten vorbei. Einziges Manko: Hunde dürfen nicht mit in die Wilhelma Stuttgart.

Tipps für den Besuch

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Die Wilhelma ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet. Der Einlass beginnt täglich um 8:15 Uhr. Die Schließzeiten variieren je nach Jahreszeit – im Sommer bleibt der Park bis maximal 20 Uhr geöffnet, im Winter schließt er um 16:30 Uhr. Die Hauptkassen schließen um 16 Uhr (im Winter um 15:30 Uhr), danach sind Tickets an den Automaten erhältlich.

Der Sommertarif (März bis Oktober) liegt bei 20 Euro für Erwachsene, 13 Euro für Studenten und Schüler (18–28 Jahre) und 8 Euro für Kinder von 6 bis 17 Jahren. Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt. Im Winter sowie ab 16 Uhr im Sommer gelten vergünstigte Tarife: 15 Euro für Erwachsene, 10 Euro ermäßigt, 5,50 Euro für Kinder. Wer sein Ticket online kauft, spart gegenüber dem Kassenpreis. Die FamilienCard Stuttgart und die StuttCard werden akzeptiert – mit der StuttCard erhalten Sie einmalig freien Eintritt.

Jahreskarten kosten 68 Euro für Erwachsene und 25 Euro für Kinder und sind ausschließlich an den Kassen erhältlich. Wer regelmäßig kommt, hat die Karte nach wenigen Besuchen wieder heraus.

Anfahrt und Parken
Die Wilhelma liegt im Stadtbezirk Bad Cannstatt an der Neckartalstraße 13 und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Die Stadtbahnlinien U13, U14 und U16 halten direkt vor dem Haupteingang an der Haltestelle „Wilhelma". Vom Stuttgarter Hauptbahnhof sind das nur wenige Minuten.

Wer mit dem Auto kommt: Es gibt ein Parkhaus in unmittelbarer Nähe des Haupteingangs (Fahrzeuge bis 2 Meter Höhe). Die Wilhelma liegt innerhalb der Stuttgarter Umweltzone – nur Fahrzeuge mit grüner Plakette dürfen einfahren. An sonnigen Wochenenden und in den Ferien füllt sich das Parkhaus schnell. Die Anreise mit der Stadtbahn ist weit entspannter.

Ein Nebeneingang befindet sich an der Pragstraße (Haltestelle „Glockenstraße"). Der Eingang am Rosensteinpark ist derzeit wegen der Baustelle für die neue Elefantenwelt geschlossen.

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Foto von Canva: qwertygo von Pixabay

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