Artikel: Stuttgart mit Kindern entdecken

Stuttgart mit Kindern entdecken
Natur, Technik und Kultur – so wird Stuttgart zum Familienabenteuer
Zwischen Weinbergen, Mineralbädern und einem der artenreichsten Zoos Europas steckt eine Stadt, die Kindern erstaunlich viel zu bieten hat. Vom Höhenpark Killesberg bis zum Fernsehturm, vom Dinosaurierskelett im Naturkundemuseum bis zur Mitmachausstellung im Alten Schloss: Die Landeshauptstadt lässt sich mit der ganzen Familie erkunden, ohne dass nach dem dritten Museum Langeweile aufkommt. Dieser Überblick zeigt, welche Ziele sich für welches Alter eignen und was Familien dort erwartet.
Wilhelma – Tiere und Pflanzen an einem Ort
Die Wilhelma ist Stuttgarts Klassiker für Familienausflüge – und das aus gutem Grund. Der zoologisch-botanische Garten im Stadtteil Bad Cannstatt vereint rund 1.200 Tierarten und etwa 8.500 Pflanzenarten auf einem Gelände, das ursprünglich als königlicher Lustgarten entstand. Die maurischen Gebäude geben der Anlage einen ganz eigenen Charakter, den kein anderer Zoo in Deutschland bietet.
Für Kinder gibt es neben den Tierhäusern die Wilhelmaschule, in der regelmäßig Aktionstage stattfinden – von Osterprogrammen bis zu Veranstaltungen am Weltgiraffentag. Aktuell entsteht eine neue Elefantenwelt, deren Fertigstellung für Anfang 2030 geplant ist. In das Elefantenhaus wird ein Restaurant mit Panoramafenstern integriert, durch die Besucher die Tiere beobachten können.
Im Sommer hat die Wilhelma bis 20 Uhr geöffnet, was entspannte Nachmittagsbesuche ermöglicht, wenn der erste Besucherandrang nachlässt. Wer unter der Woche kommt, hat deutlich mehr Platz an den beliebten Gehegen.
Für kleine Wilhelma-Fans gibt es übrigens auch ein passendes Buch: In „Die Wilhelma wimmelt" sind Besucher und Tiere des Zoos in detailreiche Wimmelbilder verpackt.
Adresse: Wilhelma 13, 70376 Stuttgart
Öffnungszeiten: Täglich ab 8:15 Uhr, Schließzeit saisonabhängig (Mai–Aug bis 20 Uhr), Hauptkassen schließen um 16 Uhr
Höhenpark Killesberg – Spielen, Staunen, Dampfbahn fahren
Der Höhenpark Killesberg gehört zu den beliebtesten Parks der Stadt. Der Eintritt ist frei. Auf dem weitläufigen Gelände im Norden der Stadt finden Kinder gleich mehrere Spielplätze, große Wiesen zum Toben und im Sommer einen Wasserspielplatz. Herzstück für viele Familien ist die Killesbergbahn: Eine Miniatur-Dampfeisenbahn, die seit den 1950er Jahren ihre Runden durch den Park dreht.
Vom Killesbergturm, einer frei schwingenden Seilnetzkonstruktion des Ingenieurs Jörg Schlaich, bietet sich ein weiter Blick über die Stadt. Der Turm ist kostenlos zugänglich und ein Erlebnis für sich – allerdings nichts für Höhenängstliche, denn die Konstruktion schwingt bei Wind leicht mit. Kleinere Kinder sollten an der Hand gehen.
Im Killesbergpark lässt sich problemlos ein halber Tag verbringen, und wer anschließend Hunger hat, findet im Parkgelände ein Biergarten Restaurant mit Blick über Stuttgart.
Adresse: Thomastraße 99, 70192 Stuttgart
Öffnungszeiten: Park ganzjährig geöffnet Killesbergturm täglich 7–19 Uhr. Killesbergbahn April–Oktober (Mi/So/Feiertage 10–18 Uhr, übrige Tage 13–18 Uhr)
Mercedes-Benz Museum und Porsche Museum
Stuttgart ist die Geburtsstadt des Automobils, und beide großen Hersteller betreiben hier Museen, die auch Besucher ohne Technikbegeisterung ansprechen. Das Mercedes-Benz Museum in Bad Cannstatt erzählt auf neun Etagen die Geschichte der Mobilität von 1886 bis heute – mit über 160 Fahrzeugen und 1.500 Exponaten. Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt. Es gibt einen speziellen Kinder-Audioguide, ein kostenloses Entdeckerbuch und am Wochenende die Mitmach-Ausstellung „Faszination Design" im CAMPUS auf Ebene 0.
Adresse:Mercedesstraße 100, 70372 Stuttgart
Öffnungszeiten: Di–So 9–18 Uhr, Mo geschlossen
Das Porsche Museum in Zuffenhausen ist kompakter und architektonisch auffällig: Das Gebäude scheint über dem Boden zu schweben. Die Sammlung umfasst rund 80 Fahrzeuge, darunter Rennwagen und Prototypen. Für Kinder ab sechs Jahren gibt es eine eigene Museumsrallye.
Adresse: Porscheplatz 1, 70435 Stuttgart
Öffnungszeiten: Di–So 9–18 Uhr, Mo geschlossen
Ein praktischer Hinweis: Wer das Ticket des einen Museums an der Kasse des anderen vorzeigt, erhält dort 25 Prozent Ermäßigung. Beide Häuser an einem Tag zu besuchen ist mit Kindern allerdings ambitioniert – besser auf zwei Ausflüge verteilen.
Fernsehturm – Stuttgart von oben
Der Stuttgarter Fernsehturm war bei seiner Eröffnung 1956 der erste Fernsehturm aus Stahlbeton weltweit. Im Februar 2026 feierte er seinen 70. Geburtstag. Von den Aussichtsplattformen in 150 Metern Höhe überblickt man den Stuttgarter Kessel, die Weinberge des Neckartals und bei klarer Sicht die Schwäbische Alb, den Schwarzwald und den Odenwald.
Für Kinder ist schon die Fahrt mit dem Aufzug ein Erlebnis. Oben angekommen, lässt sich Stuttgart aus der Vogelperspektive neu entdecken – Kinder suchen gern ihre Schule, ihr Stadtviertel oder die Wilhelma von oben. Im Panoramacafé gibt es Kuchen und Getränke, das Restaurant Leonhardts serviert schwäbische Küche - es gibt auch eine Kinderkarte.
Kinder bis fünf Jahre haben freien Eintritt, ab sechs Jahren kostet das Ticket 8 Euro. Am Wochenende kann es Wartezeiten geben. Vor dem Eingang befinden sich ein kleiner Spielplatz und Sitzgelegenheiten für eine Vesperpause.
Adresse: Jahnstraße 120, 70597 Stuttgart
Öffnungszeiten: Mo–So 10–22 Uhr, letzte Auffahrt 21:30 Uhr
Junges Schloss – das Kindermuseum
Das Junge Schloss im dritten Obergeschoss des Alten Schlosses am Schillerplatz ist das erste feste Kindermuseum in Stuttgart. Es gehört zum Landesmuseum Württemberg und richtet sich an Kinder ab etwa vier Jahren. In wechselnden Mitmachausstellungen werden Themen aus Kunst, Kultur und Geschichte so aufbereitet, dass Kinder sie mit allen Sinnen erfassen können.
Aktuell läuft die Ausstellung „BUNT" – eine Schau rund um Farben, Formen und Klänge, die noch bis August 2026 zu sehen ist. Ab Herbst 2026 folgt die Ausstellung „SCHÄTZE", bei der Kinder auf einer begehbaren Karte auf Schatzsuche gehen. Ein Kinderbeirat aus 20 Jungen und Mädchen ab acht Jahren berät die Ausstellungsmacher bei der Konzeption – das Programm wird also von Kindern für Kinder mitgestaltet.
Der Eintritt ist über Zeitfenster-Tickets geregelt, die sich online buchen lassen. Im Erdgeschoss des Alten Schlosses gibt es das Café Dürnitz mit Kinderspielbereich – ein guter Ort für eine Pause mitten in der Innenstadt.
Adresse: Schillerplatz 6, 70173 Stuttgart
Öffnungszeiten: Di–So 10–17 Uhr (Zeitfenster-Tickets)
Naturkundemuseum am Löwentor und Schloss Rosenstein
Das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart verteilt sich auf zwei Gebäude im Rosensteinpark. Im Museum am Löwentor dreht sich alles um die Urzeit: Dinosaurierskelette, Fossilien aus Südwestdeutschland, ein Mammut und Eiszeitjäger. Kinder können an einer Ausgrabungsstation selbst Fossilien freilegen, sich verkleiden und an Mitmachstationen basteln. Aktuell zeigt das Haus die Sonderausstellung „Triassic Life – Aufbruch in die Welt der Saurier".
Adresse: Rosenstein 1, 70191 Stuttgart
Öffnungszeiten: Di–Fr 9–17 Uhr, Sa/So/Feiertage 10–18 Uhr, Mo geschlossen
Im Schloss Rosenstein am anderen Ende des Parks geht es um die heutige Tierwelt. Sechs aufwendig gestaltete Säle führen durch die großen Landschaftszonen der Erde – vom tropischen Regenwald über die Savanne bis zur Arktis. Die Dioramen sind so gestaltet, dass Kinder das Gefühl haben, tatsächlich durch diese Lebensräume zu wandern.
Adresse: Rosenstein 14, 70191 Stuttgart
Öffnungszeiten: Di–Fr 9–17 Uhr, Sa/So/Feiertage 10–18 Uhr, Mo geschlossen
Zwischen beiden Museen liegt ein Fußweg von etwa 15 Minuten durch den Rosensteinpark, mit einem Spielplatz auf halbem Weg. Sonntags um 15 Uhr finden in beiden Häusern Familienführungen statt. Kinder bis 17 Jahre haben freien Eintritt.
Mineralbäder – Baden wie die Stuttgarter
Stuttgart verfügt nach Budapest über das größte Mineralwasservorkommen in Europa. Zwei Bäder machen dieses Wasser für Familien zugänglich: das Mineralbad Leuze und das MineralBad Berg, beide im Stadtteil Bad Cannstatt am Neckar gelegen.
Das Leuze ist die familienfreundlichere Variante mit mehreren Becken im Innen- und Außenbereich, Strömungskanal und einem separaten Kinderbecken. Im Sommer öffnet zusätzlich das Freibad. Das MineralBad Berg, nach einer umfassenden Sanierung im modernen Design wiedereröffnet, richtet sich eher an Besucher, die Ruhe suchen – mit kleinen Kindern ist das Leuze die bessere Wahl.
Das Mineralwasser kommt mit rund 34 Grad aus dem Boden und muss nicht künstlich erwärmt werden. Es enthält Mineralstoffe, die der Haut guttun, was man nach dem Baden tatsächlich spürt. Für regnerische Tage, an denen weder Zoo noch Spielplatz in Frage kommen, sind die Mineralbäder eine willkommene Alternative.
Adressen und Öffnungszeiten:
Mineralbad Leuze: Am Leuzebad 2, 70190 Stuttgart
Öffnungszeiten: Schwimmbad Mo–Do 6–21 Uhr, Fr 6–23 Uhr, Sa 7–23 Uhr, So 8–21 Uhr
Mineralbad Berg Am Schwanenplatz 9, 70190 Stuttgart
Öffnungszeiten derzeit geschlossen
Wer beim Spaziergang zwischen den Ausflügen genauer hinschaut, entdeckt in Stuttgart auch architektonisch einiges – vom Mercedes-Benz Museum bis zum MineralBad Berg. Einen fundierten Überblick über 30 wegweisende Bauten der Stadt gibt das Buch „Architekturstadt Stuttgart".
Grünes Stuttgart – Parks und Seen
Stuttgart ist eine der grünsten Großstädte Deutschlands, und Familien profitieren davon an vielen Stellen. Der Rosensteinpark wurde bereits im Zusammenhang mit dem Naturkundemuseum erwähnt – er lohnt sich aber auch als eigenständiges Ziel, mit altem Baumbestand, weiten Wiesen und mehreren Spielplätzen.
Der Schlossgarten zieht sich als grünes Band vom Hauptbahnhof bis nach Bad Cannstatt und eignet sich für Spaziergänge mit Kinderwagen ebenso wie für eine Runde auf dem Laufrad. Am Max-Eyth-See im Stuttgarter Norden lassen sich Schwäne und Enten füttern, es gibt einen Spielplatz am Ufer und im Sommer einen Tretbootverleih. Das Bärenschlössle im Rotwildpark westlich der Stadt erreicht man bei einem Waldspaziergang und wird mit einer Einkehr in der rustikalen Gaststätte belohnt – ein Ausflug, der sich gut mit einem Besuch des Schlosses Solitude verbinden lässt.
Wer mit älteren Kindern beim Spaziergang auf Spurensuche gehen möchte, findet im Buch „Stuttgarter Geheimnisse" von Eva-Maria Bast und Jørn Precht 50 Geschichten über verborgene Orte und kuriose Details der Stadt.
Ausflüge vor den Toren Stuttgarts
Wer nach den Stuttgarter Zielen noch nicht genug hat, findet im näheren Umland weitere lohnende Ausflüge. In Ludwigsburg, etwa 15 Kilometer nördlich, lockt das Blühende Barock mit seinem Märchengarten – einem Rundgang durch liebevoll gestaltete Szenen klassischer Märchen, der vor allem Kinder im Vorschul- und Grundschulalter begeistert.
Adresse: Mömpelgardstraße 28, 71640 Ludwigsburg
Saison 20.3.–6.12.2026: Mo–Fr 9–18 Uhr, Sa/So/Feiertage 9–19 Uhr. Märchengarten 9–18 Uhr
Der Erlebnispark Tripsdrill bei Cleebronn, rund 30 Autominuten entfernt, kombiniert Fahrgeschäfte mit einem Wildparadies. Das Konzept orientiert sich an schwäbischer Tradition und unterscheidet sich bewusst von den großen Themenparks. Für jüngere Kinder gibt es einen eigenen Bereich mit sanfteren Attraktionen.
Und wer es ruhiger mag: Die Schwäbische Alb beginnt südlich von Stuttgart und bietet mit ihren Höhlen, Burgruinen und Wanderwegen Ausflüge für den ganzen Tag.
Am Ende eines Tages in Stuttgart haben Kinder meistens mehr gesehen, als sie auf einmal verarbeiten können – und trotzdem eine klare Meinung, wo sie als Erstes wieder hinwollen. Wer die Eindrücke sortieren möchte, kann das mit 1.000 Teilen tun: Das Puzzle „The Stuttgarter" zeigt die Highlights der Stadt auf einem Bild und eignet sich als Familienprojekt für verregnete Nachmittage zwischen den Ausflügen.
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(Text: K. K. - Online Redakteurin / Foto: GIUSEPPE DE BERGOLIS von Pexels)



