Artikel: Leichte Sommerweine

Leichte Sommerweine
Wenn die Temperaturen steigen, greifen viele lieber zu leichten Weinen. Schwere, tanninreiche Rotweine, die im Winter vor dem Kamin ihre Berechtigung haben, wirken an einem Juliabend auf der Terrasse schnell zu viel. Gefragt sind dann Weine mit weniger Alkohol, lebendiger Säure und der Fähigkeit, auch gut gekühlt ihre Aromen zu entfalten. Württemberg als eine der vielseitigsten Weinregionen Deutschlands hat dabei einiges zu bieten – vom knackigen Riesling bis zum kühlen Trollinger.
Was macht einen Wein zum Sommerwein?
Der Begriff Sommerwein ist keine offizielle Kategorie. Es gibt kein Etikett, das einen Wein verbindlich als sommertauglich ausweist. Gemeint ist vielmehr ein Stil: Weine, die sich bei Wärme angenehm trinken lassen, ohne zu ermüden.
Drei Eigenschaften spielen dabei zusammen. Erstens der Alkoholgehalt: Weine unter 12,5 Volumenprozent belasten den Kreislauf weniger und eignen sich besser für längere Abende im Freien. Zweitens eine präsente, aber nicht aggressive Säure – sie sorgt für Frische und regt den Appetit an. Drittens ein eher zurückhaltender Körper: Wenig Gerbstoff, keine übermäßige Holznote, kein Schmelz, der bei 30 Grad im Schatten eher erschlägt als erfrischt.
Das bedeutet nicht, dass Sommerweine einfach oder anspruchslos wären. Ein gut gemachter trockener Riesling mit 11,5 Prozent Alkohol kann deutlich komplexer sein als mancher schwere Barrique-Rotwein.
Leichte Weißweine für den Sommer
Weißwein ist die naheliegendste Wahl für warme Tage, aber nicht jeder Weißwein eignet sich gleich gut. Entscheidend sind Rebsorte und Ausbau.
Riesling steht in Württemberg oft etwas im Schatten der roten Sorten, doch gerade die trockenen und feinherben Varianten von der Schwäbischen Alb oder aus dem Remstal gehören zu den besten Sommerweinen überhaupt. Typisch sind Aromen von grünem Apfel, Zitrus und Pfirsich, getragen von einer mineralischen Säure, die den Wein lebendig hält. Trinktemperatur: 8 bis 10 Grad.
Weißburgunder und Grauburgunder bringen etwas mehr Schmelz mit als Riesling, bleiben aber bei moderatem Alkoholgehalt zugänglich. Weißburgunder zeigt oft Birne und dezente Nussigkeit, Grauburgunder tendiert zu reiferen Fruchtaromen. Beide eignen sich gut als Essensbegleiter, weil sie sich nicht in den Vordergrund drängen.
Müller-Thurgau, lange Zeit als Massenware belächelt, erlebt seit einigen Jahren eine stille Renaissance. Junge Winzer vinifizieren die Sorte sorgfältiger und erzeugen unkomplizierte, blumige Weine mit milder Säure und niedrigem Alkohol – manchmal unter 11 Prozent. Ein ehrlicher Terrassenwein ohne Anspruch auf Tiefgang, aber mit viel Trinkfreude.
Silvaner schließlich ist die unterschätzte Alternative: trocken ausgebaut, mit erdiger Würze und einer ruhigen, fast meditativen Art. Silvaner verlangt nicht nach Aufmerksamkeit, belohnt sie aber.
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Roséweine – die Klassiker für warme Tage
Rosé hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten vom Nischenprodukt zum meistverkauften Sommerweintyp entwickelt. Das liegt nicht nur am Aussehen, sondern am Stil: Rosé vereint die Frische eines Weißweins mit einem Hauch der Fruchtigkeit roter Sorten.
Die Bandbreite ist groß. Am einen Ende stehen die lachsfarbenen, sehr hellen Rosés im provenzalischen Stil – knochentrocken, dezent, mit Aromen von Erdbeere und Kräutern. Am anderen Ende finden sich kräftigere Rosés mit tieferer Farbe und mehr Frucht, die auch zu würzigerem Essen passen.
Württemberg hat in diesem Bereich eine Besonderheit zu bieten: den Schillerwein. Anders als bei einem klassischen Rosé, bei dem helle Trauben und dunkle Trauben getrennt verarbeitet werden, entsteht Schillerwein aus dem gemeinsamen Keltern von roten und weißen Trauben. Das ergibt einen eigenständigen Weintyp mit einer schillernden Farbe zwischen Lachs und Kupfer und einem Geschmack, der sich weder als Rosé noch als Weißwein einordnen lässt. Wer ihn noch nicht probiert hat, sollte das an einem Sommerabend nachholen.
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Leichte Rotweine, die auch gekühlt schmecken
Rotwein im Sommer klingt zunächst widersprüchlich, ist aber kein Widerspruch – vorausgesetzt, man wählt die richtige Sorte und die richtige Temperatur.
Trollinger ist der württembergische Sommerwein par excellence. Die Sorte liefert helle, säurebetonte Rotweine mit Aromen von Sauerkirsche und roter Johannisbeere, ohne viel Tannin. Trollinger darf und soll leicht gekühlt getrunken werden – bei 14 bis 16 Grad zeigt er sich von seiner besten Seite. In keiner anderen deutschen Weinregion spielt diese Rebsorte eine vergleichbare Rolle, was ihn auch zu einem regionalen Aushängeschild macht.
Spätburgunder kann im Sommer ebenfalls überzeugen, allerdings nicht in seinen schweren, im Barrique ausgebauten Varianten. Gesucht sind hier die leichteren Vertreter: fruchtbetont, mit moderatem Alkohol, ohne übermäßige Holzaromatik. Ein junger Spätburgunder mit 12 Prozent Alkohol, leicht gekühlt serviert, ist ein hervorragender Begleiter für einen Grillabend.
Dornfelder, jung und frisch ausgebaut, bringt dunkle Frucht und eine gewisse Saftigkeit mit, ohne zu schwer zu werden. Auch er verträgt eine leichte Kühlung gut.
Grundsätzlich gilt für Rotwein im Sommer: Die alte Regel „Zimmertemperatur" stammt aus einer Zeit, in der Zimmer selten wärmer als 18 Grad waren. Bei sommerlichen 25 oder 28 Grad im Wohnzimmer ist ein leicht gekühlter Rotwein nicht nur erlaubt, sondern sinnvoll.
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Welches Essen passt zu leichten Sommerweinen?
Die Kombination von Wein und Essen folgt im Sommer einer einfachen Logik: Leichte Weine zu leichten Gerichten, wobei es eher auf die Zubereitung ankommt als auf einzelne Zutaten.
- Riesling ist der klassische Partner für Spargel – eine Kombination, die in Württemberg fast schon Pflicht ist. Darüber hinaus begleitet er Fischgerichte mit Zitrus, Garnelen, Sushi und alles, was eine gewisse Säure im Gericht mitbringt.
Beispiel: Riesling trocken Alte Reben - Grauburgunder ergänzt Gerichte mit etwas mehr Substanz: Geflügelsalat mit Nüssen, eine Vitello-Tonnato-Platte, Antipasti mit gegrilltem Gemüse oder ein Risotto mit Zucchini und Parmesan.
Beispiel: Grauer Burgunder "Vom Tonmergel" - Rosé und Schillerwein gehören an den Grill. Ihre Frucht und moderate Struktur halten neben mariniertem Fleisch, Bratwurst und mediterranen Beilagen wie Tabbouleh oder Hummus stand, ohne sich aufzudrängen. Rosé passt außerdem zu Pizza – eine Kombination, die oft unterschätzt wird.
- Trollinger ist der geborene Vesperbegleiter: Brezeln, Wurstsalat, Käsespätzle, kalter Braten. Er versteht sich aber auch mit einer leichten Pasta in Tomatensoße oder mit einer Quiche.
- Müller-Thurgau harmoniert mit Sommersalaten, mildem Ziegenkäse, Flammkuchen oder einem einfachen Butterbrot mit Radieschen. Er ist kein Wein für komplexe Gerichte, aber genau darin liegt sein Reiz.
Sommerwein richtig lagern und servieren
Die beste Flasche verliert viel, wenn sie falsch temperiert auf den Tisch kommt. Weißweine und Rosés entfalten sich bei 8 bis 10 Grad am besten. Wer keine Möglichkeit hat, die Temperatur genau zu messen, orientiert sich an einer einfachen Faustregel: Eine Stunde im Kühlschrank vor dem Servieren reicht in der Regel aus. Zu kalt ist ebenso ungünstig wie zu warm – unter 6 Grad verschließen sich die Aromen.
Für leichte Rotweine empfehlen sich 14 bis 16 Grad. Das erreicht man, indem man die Flasche etwa 20 Minuten vor dem Einschenken in den Kühlschrank stellt.
Wer den Wein mit nach draußen nimmt – zum Picknick, an den See oder in den Garten – sollte ihn in einer Kühltasche oder dem Weinkühler Hemingway transportieren. Direkte Sonneneinstrahlung verändert die Aromen innerhalb weniger Minuten spürbar.
Dekantieren ist bei leichten Sommerweinen in den meisten Fällen nicht nötig. Die Weine sind jung, haben kein Depot und brauchen keine Zeit zum Atmen. Einschenken und trinken – so einfach ist das.
Ein Sommer mit den richtigen Weinen
Die Auswahl an leichten, sommergerechten Weinen ist groß, und gerade in Württemberg muss man dafür nicht lange suchen. Ob ein kühler Riesling zum Abendessen, ein Schillerwein auf dem Balkon oder ein leichter Trollinger beim Grillen – der richtige Wein macht den Sommer einfach besser.
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Text: K. K. Online Redakteurin / Foto: Aflo Images


